Vom Isokinetik-Pionier zum internationalen Anbieter für Komplettlösungen: Die Geschichte von proxomed zeigt, dass es für Erfolg in der Gesundheitsbranche mehr braucht als erstklassige Geräte. Das Unternehmen unterstützt die Physio- und Rehabranche seit Jahrzehnten auch durch umfassenden Service – von Geräteschulungen vor Ort über Consulting für Physiotherapie, Reha und Medizintechnik bis hin zu Finanzierungs- und Marketingberatung. Angefangen aber hat alles mit einem einzigen Gerät – und mit beeindruckendem Weitblick.
Die Visionen waren bahnbrechend. Damals schon. Dabei konnte in den 1980er-Jahren noch niemand ermessen, welch zentrale Rolle aktives Training einmal im Gesundheitswesen spielen sollte. Der österreichische Unternehmer Wolfgang Herdlicka aber erkannte früh die Chancen des isokinetischen Trainings und die damit verbundenen Gewinnaussichten für ein Handelsunternehmen. 1986 gründete er in Fürstenfeldbruck die Firma proxomed, um im deutschsprachigen Raum den exklusiven Vertrieb von Isokinetik-Geräten des US-Herstellers Cybex aufzubauen.
1988 stieg Frank Kirchner ins Unternehmen ein – als Sportwissenschaftler, Leistungssportler und ausgebildeter Vertriebler der perfekte Mann für weitreichende Visionen. „Mir war klar, dass die Isokinetik Zukunft hat, besonders im Leistungssport und in der Diagnostik“, sagt er. „Deshalb haben wir damals schon Bundesliga-Fußballmannschaften und die Olympia-Zentren bedient. Und wir haben schon damals nicht nur verkauft. Denn bei hochwertigen Investitionsgütern muss man einfach auch guten Service anbieten.“ proxomed kümmerte sich also von Anfang an nicht nur um Lieferung und Aufbau von Geräten, sondern auch um Einweisung und Schulungen für das Fachpersonal.
Mit der zukunftsweisenden Isokinetik gewann man das Vertrauen von Großkunden, und schnell stellte sich die Frage, ob man die sportaffine Kundschaft nicht auch mit anderen Trainings- und Therapiegeräten ausstatten könnte – quasi alles aus einer Hand. Das Portfolio wurde um Geräte für Krafttraining, Kardiotraining und Elektrotherapie erweitert, und damit öffnete sich auch der Zugang zu kleineren Rehazentren und Physiotherapie-Praxen.
compass: proxomed entwickelt eigene Kraftgeräte-Linie
Wolfgang Herdlicka aber teilte die Visionen eines umfassenden Portfolios für den Gesundheitsmarkt nicht, und so verkaufte er im November 1990 das Unternehmen an Frank Kirchner und dessen Geschäftspartner Franz Sedunko. Die beiden neuen Inhaber und Geschäftsführer verlegten den proxomed-Stammsitz nach Wolfratshausen und eröffneten ein Vertriebs- und Servicecenter in Kahl (Unterfranken). Schließlich hatten sie große Visionen: die Entwicklung von Krafttrainingsgeräten exklusiv für die medizinische Rehabilitation. Die Zeit war reif – die ambulante Reha boomte.
Unter der Führung von Kirchner und Sedunko entwickelte proxomed die Kraftgeräte-Linie compass – bis heute Flaggschiff der Marke. Für die Produktion holte man den Fitnessgerätehersteller Ass Metallbau ins Boot, der nun die Aufgabe hatte, Kraftgeräte für die medizinisch-therapeutische Nutzung zu bauen, die sowohl den Anforderungen der Krankenkassen und Berufsgenossenschaften (BG) als auch den Trainingsansätzen in der Rehabilitation für Leistungssport entsprachen. Der Erfolg gab Kirchner Recht: compass war die erste Krafttrainings-Linie, die von den deutschen BG für die erweiterte ambulante Rehabilitation zugelassen wurde.
Marktführer für medizinisches Training aus einer Hand
Mit feinem Gespür für die Bedürfnisse ihrer Kunden machten Kirchner und Sedunko den nächsten Schritt, denn Rehazentren, Physiopraxen und Sportvereine lechzten nach gutem Service aus einer Hand. Mussten sie doch bis dahin Geräte für Kraft und Ausdauertraining, für Elektrotherapie sowie Therapieliegen und weiteres Zubehör von verschiedenen Anbietern kaufen – viel Aufwand auf Kosten der Zeit für Patienten. Hier setzten Kirchner und Sedunko an: Als Komplettanbieter sollte proxomed die Einrichtungen entlasten, sollte Zeit, Geld und Nerven sparen.
Bald schon ergänzten Liegen und Zugapparate die compass-Serie. Eine eigene wissenschaftliche Abteilung wurde ins Leben gerufen, um medizinische Trainingsgeräte zu entwickeln, die sowohl sportwissenschaftliche Standards als auch die Vorgaben der medizinischen Reha erfüllten. Highlights waren 1990/91 die Entwicklung von Cardiogeräten mit herzfrequenzgesteuertem Training sowie einige Jahre später die Einführung des ersten Chipkartensystems für digitale Trainingssteuerung. Außerdem verkaufte das Unternehmen jetzt auch Laufbänder von h/p/cosmos und entwickelte mit kardiomed in Zusammenarbeit mit der Firma Emotion Fitness eine eigene Ausdauer-Linie. proxomed stieg in Deutschland zum Marktführer bei Geräten für aktive Trainingstherapie auf und deckte allein 70 % des Isokinetik-Marktes ab. Und ohne es voraussehen zu können, legte man durch den Vertrieb der medizinischen Geräte von ERGOFIT und PHYSIOMED schon in den 1990er-Jahren die Basis für die heutige, international erfolgreiche PHYSIOMED GROUP.
Potenter Investor in herausfordernden Zeiten
Die Aufbruchstimmung der frühen 1990er-Jahre wurde durch die Gesundheitsreform 1996/97 jäh beendet: Das am 1. Januar 1997 in Kraft getretene „Beitragsentlastungsgesetz“ sollte die Kosten der gesetzlichen Krankenkassen dämpfen und machte vielen Rehakliniken und ambulanten Rehazentren in Deutschland den Garaus. Für proxomed bedeutete dies den abrupten Verlust des wichtigsten Kundenkreises.
Die Antwort: ein strategischer Neuanfang. 1998 stieg die Schweizer BERNINA-Gruppe, für die proxomed seit 1994 das Isokinetik-System Moflex vertrieben hatte, als Partner ins Unternehmen ein. Dies brachte nicht nur finanzielle Stabilität, sondern eröffnete auch den Zugang zu internationalen Märkten in Europa und Asien. Es entstand eine eigene Abteilung für International Sales, um Händlerstrukturen aufzubauen und die Marke proxomed global zu etablieren. „Eine Riesengeschichte war unser Schritt nach Asien“, erinnert sich Frank Kirchner: „Ab Januar 1999 wurden die Verbindungen nach Japan aufgebaut und wir belieferten über viele Jahre Hunderte Einrichtungen für geriatrische Rehabilitation exklusiv mit unseren medizinischen compass-Geräten.“ Anfangs wurden diese von Deutschland aus nach Fernost verschifft, inzwischen wird ein Teil der Geräte unter Lizenz in Japan gebaut.
Der Weg zum Komplettanbieter: Geräte plus innovative Konzepte und Consulting
Um der steigenden weltweiten Nachfrage zu begegnen, wurde der Firmensitz im Jahr 2000 nach Alzenau verlegt – zentral in Deutschland und nicht weit vom Frankfurter Flughafen. Zeitgleich brachte proxomed die tergumed-Rückenlinie auf den Markt, die zum festen Bestandteil vieler Reha- und Präventionsprogramme wurde, etwa bei der BKK. Durch das umfangreiche Portfolio und das Branchen-Knowhow entwickelte sich die Firma zunehmend zum Komplettanbieter für die Physio- und Rehabranche: Neben erstklassigen Gerätesystemen bot man den Kunden jetzt auch komplette Therapie- und Rehabilitationskonzepte, etwa Selbstzahlerprogramme für Prävention, Medical Fitness und Seniorentraining. Ab 2002 baute proxomed eine eigene Consulting-Abteilung auf. Sie bietet bis heute Dienstleistungen wie Beratung und Schulung vor Ort, Workshops zu Themen wie Aufbau und Finanzierung einer Reha-Einrichtung, Raum- und Geräteplanung, Personalwesen und Marketing sowie ein umfassendes Service-Netzwerk im Bereich Medizintechnik.
proxomed als Hersteller: Noch mehr Qualität und Service durch eigene Produktion
2005 setzte proxomed einen weiteren Meilenstein in der Unternehmensentwicklung: Durch Kauf der Ass Metallbau und Gründung der Produktionsfirma proxowell konnten die Trainingsgeräte jetzt unter eigener Regie hergestellt werden – für mehr Qualität, Preisstabilität und Unabhängigkeit. Kraft- und Vibrationsgeräte kamen fortan aus dem eigenen Werk, das 2013 von Bückeburg nach Luhden verlegt wurde. Als Vollanbieter lieferte proxomed jetzt Entwicklung, Herstellung, Verkauf, Schulung, Service, Marketing und Consulting aus einer Hand. Darüber hinaus vertrieb man weiterhin die Produkte namhafter Hersteller, die das Portfolio bis heute perfekt ergänzen.
Im Zuge der zunehmenden Digitalisierung im Gesundheitswesen entwickelte das Unternehmen in den 2010er-Jahren mit proxOS eine Software für klinisches Datenmanagement. Mittlerweile begleitet die Test- und Trainingsplansoftware proxoforce sowohl Therapeuten und Trainerinnen als auch Patientinnen und Patienten durch den gesamten Behandlungspfad in der Akut-, Aufbau- und Erhaltungsphase in verschiedenen Fachbereichen wie Orthopädie, Traumatologie, Neurologie sowie in der Sekundärprävention.
AlterG, vacumed und mehr: proxomed als Partner für Hightech-Gesundheitslösungen
Mit Stolz verkündete proxomed 2013 die Partnerschaft mit der Firma Alter G, die das Anti-Schwerkraft-Laufband zusammen mit der NASA entwickelt hatte. Bis heute vertreibt die PHYSIOMED GROUP das zukunftsweisende Trainings- und Therapiegerät exklusiv im deutschsprachigen Markt. Mit der Vertriebsvereinbarung für vacumed nahm das Unternehmen auch die Intermittierende Vakuumtherapie (IVT) ins Portfolio auf und hat seit 2019 den Exklusivvertrieb für Deutschland und die Schweiz inne. Durch die Vertriebspartnerschaften mit milon und mit TecnoBody (z. B. D-Wall und Walker View) erhalten Kunden im deutschsprachigen Raum seit mehr als 10 Jahren auch diese Hightech-Analyse-, Trainings-, und Therapietools direkt von proxomed. Die eigenen Gerätelinien wurden in den kommenden Jahren stetig ausgebaut und ergänzt, etwa durch die neue Serie compass 600.
Drei Marken unter einem Dach: Stark in die Zukunft mit der PHYSIOMED GROUP
Mit ERGOFIT und PHYSIOMED arbeitete proxomed seit vielen Jahren zusammen, und 2023 wurde aus den drei starken Marken ein Unternehmen mit hervorragenden Zukunftsaussichten: die PHYSIOMED GROUP. Natürlich bleibt proxomed auch unter dem neuen Dach seiner Vision treu: „Wir entwickeln Produkte, die bewegen, und bei unserer Arbeit stehen immer der Mensch und seine Gesundheit im Mittelpunkt“, betont Frank Kirchner. Er selbst hat seine Anteile am Unternehmen schon vor Jahren verkauft, ist jedoch bis heute für die PHYSIOMED GROUP tätig – als Vertriebsexperte für Großkunden.
Kirchner fasst die Entwicklung zusammen: „Es macht mich stolz zu sehen, wie sich das Unternehmen in den letzten fast 40 Jahren entwickelt hat: vom Handelsvertrieb mit Diagnostik- und speziellen Trainingsgeräten für Premium-Kunden zum Hersteller und Komplettanbieter in der Gesundheitsbranche. Wir stellen Produkte her, und natürlich leben wir vom Verkauf unserer Geräte. Aber für uns sind es weit mehr als nur Produkte: Es sind Trainingsgeräte, die Menschen dabei unterstützen, in ihren Alltag oder in den Sport zurückzufinden. Diese Aufgabe ist groß, aber auch unglaublich dankbar. Unser größter Gewinn ist zu sehen, wie viele Menschen wir in der Vergangenheit mit unseren Lösungen auf ihrem Weg zurück zur Gesundheit begleiten durften. Dafür sind wir stolz und dankbar – und daran werden wir auch weiterhin mit Hingabe arbeiten.“