Zwei Welten unter einem Dach: Die Produktionsstätte der PHYSIOMED GROUP im fränkischen Schnaittach steht für Hightech und Präzision im Dienst der Gesundheit. Hier entstehen jene Geräte, auf die Praxen und Rehazentren weltweit setzen – von elektromedizinischer Technik wie Tiefenoszillation oder Kombinationstherapie bis hin zum biomechanischen Test-, Therapie- und Trainingssystem CON-TREX.
Schnaittach tickt anders. Anders als die Produktionsstätte der PHYSIOMED GROUP in Pirmasens, wo große Kraft- und Ausdauergeräte gefertigt werden. Und anders, als man sich industrielle Fertigung meist vorstellt: kleiner, leiser, konzentrierter. Hinter der freundlichen Fassade im Schnaittacher Industriegebiet Laipersdorf wartet eine hell ausgeleuchtete, aufgeräumte Welt: Entwicklungs- und Servicebüros, pieksaubere Reparaturtische, Werkbänke mit Kabeln und elektronischen Baugruppen – sowie rund 40 Menschen, die täglich mit Expertise und Engagement die Welt der Physiotherapie bereichern.
Klein, aber oho: Hightech-Fertigung für Elektrotherapie
Die PHYSIOMED-Produktion in Schnaittach gliedert sich in zwei Bereiche, die fast wie zwei unterschiedliche Universen wirken: clean, kleinteilig und leise die Abteilung für Elektromedizin, raumgreifender und lauter die Halle für Biomechanik. Im Reich der Elektromedizin sieht man auf den Werkbänken vormontierte Baugruppen: Frontplatten mit Bedienelementen, Netzteilmodule, Ultraschalladapter, Platinen mit Steckverbindungen, Gehäuseunterteile. Mit spitzen Fingern und filigranem Werkzeug montieren Werker hochkomplexe Therapiegeräte, die in mehr als 70 Ländern hohes Ansehen genießen:
- DEEP OSCILLATION (Tiefenoszillation),
- Ionoson Expert für Kombination aus Elektro-, Ultraschall- und Simultantherapie,
- vocaSTIM für Diagnose und Therapie bei Larynxparesen und Dysphagie
sowie Geräte für Magnetfeld-, Mikrowellen, Stoßwellen-, Cryo- und Lasertherapie.
Auffällig ist der Wandel der letzten Jahre: „Lötarbeiten gibt es bei uns kaum noch“ erklärt Produktionsleiter Wolfgang Huber. „Heute wird in der Elektronik fast alles gesteckt. Was früher aufwendig verdrahtet wurde, ist jetzt modular – ein Fortschritt, der sowohl die Produktion als auch Reparaturen und Prüfprozesse enorm vereinfacht.“ Huber hat schon für PHYSIOMED gearbeitet, als viele seiner Kollegen noch gar nicht geboren waren. Seit 40 Jahren ist er im Unternehmen tätig und damit so etwas wie das lebende Gedächtnis der Fertigung – erfahren, ruhig, freundlich.
Die Schwergewichte der Biomechanik
Huber und sein Team haben auch miterlebt, wie 2011 für die Fertigung der CON-TREX-Geräte eine eigene Halle angebaut wurde – mit viel Platz für größere Bauteile wie Stahlrahmen, Sitze und schwere Fußplatten. Hier bauen die Monteure Therapiegeräte wie etwa das Isokinetik-Multigelenksystem CON-TREX MJ zusammen – und trotz digitaler Unterstützung bleibt Schnaittach eine Manufaktur: keine Massenfertigung, keine Fließbänder. Das hochkomplexe mechanische System will von den Werkern millimetergenau zusammengefügt werden. „Die Monteure müssen genau wissen, wie Motoren funktionieren, welche Kräfte wirken, wie Elektronik und Mechanik zusammenarbeiten“, erklärt Produktionsleiter Huber.
„Made in Germany“ bis zum letzten Kleinteil
Seit dem ersten Tag des Bestehens setzt PHYSIOMED auf echtes Made in Germany. „Wir entwickeln alle Geräte selbst, das Knowhow ist also komplett bei uns im Haus“, betont Thomas Engelhardt, Abteilungsleiter Supply Chain Management in Schnaittach. „Für die benötigten Komponenten setzen wir uns dann mit Lieferanten zusammen, die jedes gewünschte Teil nach unseren Vorgaben fertigen – von elektronischen Details bis zur Einheitlichkeit im Design. Da bekommen wir auch wertvolles Feedback aus Expertensicht, wenn es zum Beispiel um Feinheiten beim Spritzguss geht – so dass wir immer allerbeste Qualität liefern können.“
Den hohen Qualitätsanforderungen der PHYSIOMED Group kommt entgegen, dass fast alle Partner im Umkreis von gut 30 Minuten Fahrzeit angesiedelt sind: „Unsere Platinen kommen – je nach Gerätetyp – aus der Gegend von Neumarkt, aus Forchheim und von einer Firma direkt hier in Schnaittach. Die Träger und Sitze für die große CON-TREX- Maschine kriegen wir von einem Lieferanten aus Nürnberg“, so Engelhardt. „Sollte es mal Probleme mit einer Lieferung geben, kann man sich schnell treffen und das Thema konkret besprechen, ohne dass man dafür nach China fliegen muss.“ Nur einzelne Zulieferteile bezieht PHYSIOMED aus der Schweiz oder aus Taiwan. Aus China stammt tatsächlich nur eine Tasche für das Tiefenoszillationsgerät – „weil die in Deutschland niemand zu einem vernünftigen Preis herstellt“, wie Engelhardt erklärt.
Ozon-Schrank als Wächter über die Gesundheit
Die Sicherheit von Kunden und Mitarbeitenden steht bei den Abläufen immer an erster Stelle. Dies gilt auch für Kundengeräte, die täglich hier ankommen. Denn anders als die Großgeräte von proxomed und ERGOFIT, die von Servicetechnikern vor Ort gewartet werden, können die handlichen Produkte von PHYSIOMED für Wartung oder Reparatur per Post nach Schnaittach geschickt werden. Da die Elektrotherapiegeräte mit ihren Schläuchen, Membranen und Schwämmen in den Therapieeinrichtungen mit Körperflüssigkeiten in Kontakt kommen und deshalb potenziell Keime tragen, setzt PHYSIOMED auf eine Tiefendesinfektion im Ozon-Schrank – und der steht direkt beim Wareneingang.
Das Verfahren geht weit über normale Wischdesinfektion hinaus, weil das Ozon auch jeden Winkel im Geräteinneren erreicht – ein Plus sowohl für die Sicherheit des Teams als auch für die Hygiene im Kundenbetrieb. Der äußerlich unscheinbare Ozon-Schrank war gerade in Corona-Zeiten Schnaittachs stille Lebensversicherung. Bis heute wird jedes vom Kunden eingehende Gerät von einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin in Schutzkleidung ausgepackt, in eine spezielle Box gelegt und für 45 bis 60 Minuten im Ozon-Schrank desinfiziert. Erst anschließend landet es für Wartung oder Reparatur in der Service-Abteilung.
Manufaktur mit digitalem Backup
Auch wenn in Schnaittach die Geräte noch handwerklich montiert werden, ist der Standort innerhalb der PHYSIOMED GROUP an ein einheitliches ERP-System zur Ressourcenplanung (Enterprise Resource Planning) angeschlossen: In einer zentralen Datenbank laufen sämtliche Geschäftsprozesse wie Produktion, Warenein- und ausgang, Finanzen, Personalwesen und vieles mehr zusammen – für bestmögliche Effizienz, Transparenz und optimale Entscheidungen. Mittlerweile können alle Standorte der drei Marken PHYSIOMED, proxomed und ERGOFIT auf das System zugreifen, was eine noch engere Verzahnung der Betriebsabläufe ermöglicht.
So ist auch in Schnaittach jeder Werker über Tablets und Scanner mit dem System verbunden. Im Hochregallager stehen große Baugruppen, Palettenware, Gehäuseteile. Ordentlich sortierte Schütten liefern Schrauben, Muttern und andere Kleinteile. Alles sauber beschriftet, überall QR-Codes. Digital erhält der Monteur seinen Fertigungsauftrag und sucht sich dann im ebenfalls digital erfassten Lager die Bau- und Kleinteile zusammen, die er für die Montage eines bestimmten Geräts braucht. „Wenn er im Lager irgendwelche Teile entnimmt, wird das gescannt und automatisch im System verbucht“, erklärt Produktionsleiter Huber. „Sobald ein Produkt zur Neige geht, wird es nachbestellt, damit man in keinen Engpass läuft. Schließlich haben wir allein hier am Standort etwa 5.000 aktive Artikel. Durch das intelligente System wissen wir immer, welche Materialien wir wo vorrätig haben.“
Strikte Qualitätskontrolle für jedes einzelne Gerät
Natürlich durchläuft jedes Gerät vor der Auslieferung eine Qualitätskontrolle nach festen Kriterien. Die biomechanischen CON-TREX-Systeme werden am Fertigungsplatz anhand eines aufwändigen Prüfprotokolls bis ins letzte Detail durchgetestet. Die Elektromedizin-Geräte unterzieht PHYSIOMED neben den gesetzlich vorgeschriebenen Tests für Medizinprodukte auch noch einer 24-Stunden-Prüfung – liebevoll „Burn-In-Test“ genannt. „In speziellen Testapparaturen können wir alle gewünschten Parameter eingeben und das Gerät läuft dann über Nacht durch“, erklärt Thomas Engelhardt. „Schließlich wollen wir, dass das Gerät beim Kunden in der allerhöchsten Qualität ankommt. Wir wollen keine Ausfallquoten haben.“ Zum Schluss nimmt ein Kollege nach weiteren Tests die Prüfung ab und gibt das Gerät für den Versand frei.
Zu Land, zu Wasser oder durch die Luft: Perfekt verpackt in mehr als 70 Länder
Verpackung und Versand werden für PHYSIOMED-Produkte komplett im Werk in Schnaittach abgewickelt – leicht zu bewerkstelligen bei Kleingeräten für die Elektrotherapie, ein regelrechtes Handwerk bei Großgeräten. Die CON-TREX-Systeme erleben ihre finale Montage bereits auf der Palette. Anschließend werden das Steuergerät und das vom Kunden gewünschte Zubehör beigefügt und die gesamte Sendung mit Trockenbeuteln, Schweißfolien und einer Holzkiste transportsicher ummantelt. „Wir haben einen Schreiner, der die Kisten für uns baut, und die schrauben wir dann hier bei uns auf die Palette“, sagt Wolfgang Huber. „Besonders heikel ist die Verpackung bei Seefracht. Wenn eine Sendung fünf, sechs Wochen im Container unterwegs ist, dürfen natürlich Feuchtigkeit und salzige Seeluft die Geräte nicht angreifen. Wir müssen sicherstellen, dass die Folie unversehrt bleibt, denn wir liefern hochwertige und sensible Produkte, die perfekt geschützt werden müssen.“ Soll die Lieferung in ein Drittland gehen, bereitet das Team auch sämtliche Unterlagen für den Zoll vor.
Die Hightech-Geräte aus Schnaittach sind damit bestens gerüstet für ihre Reise um die Welt, und die große Sorgfalt zahlt sich aus: Seit vielen Jahren exportiert PHYSIOMED seine Geräte erfolgreich in mehr als 70 Länder. Ob per Lkw, Schiff oder Flugzeug: Jedes Gerät wurde hier in Franken entwickelt, gefertigt, geprüft und verpackt – mit dem Ziel, rund um den Globus zur Gesundheit möglichst vieler Menschen beizutragen.