ERGOFIT: Vom Schuhmaschinenbauer zum Physio-Pionier

Wussten Sie, dass der Gründer von ERGOFIT die Wirbelstrombremse für Fahrradergometer erfunden hat? Und dass das Unternehmen durch Cardio-Geräte für herzfrequenzgesteuertes Training Furore machte? Die Geschichte von ERGOFIT – heute eine Marke der PHYSIOMED GROUP – zeigt, wie sich durch Kreativität, Unternehmergeist und Mut ein kleiner Familienbetrieb zum Pionier für Hightech-Physiogeräte mauserte. Eine Erfolgsgeschichte in der Medizintechnik, erzählt von Michael Resch, dem Enkel des Firmengründers.

Der erste Fahrradergometer von Resch.

Der Niedergang der Schuhindustrie und ein Entschluss, der alles veränderte

Doch Ende der 1960er-Jahre kam der Einbruch der deutschen Schuhindustrie – rasant und gnadenlos. „Innerhalb von zwei, drei Jahren ging es rapide bergab“, so Michael Resch. Die Produktion wanderte ab in Billiglohnländer wie Portugal und Griechenland, später nach Asien.“ Dies traf auch Zulieferer wie die Willi Resch KG – ein Schockmoment für Michaels Vater Hans Resch, der damals bereits die Geschäftsführung innehatte. Ein Messebesuch ohne einen einzigen Verkaufsabschluss brachte die Erkenntnis: Es braucht eine radikale Neuausrichtung. „Mein Vater war noch zu jung zum Aufhören. Und Imbissbude oder Versicherung – das war nichts für ihn“, erinnert sich der Sohn schmunzelnd. Gemeinsam mit seinem langjährigen Mitarbeiter und Meister Horst Kröher begann Hans Resch, neue Wege zu denken: Bewegung, Gesundheit, Sport – darin sah er die Zukunft. So entwickelte Resch Anfang der 70er-Jahre seinen ersten Fahrradergometer. Die ersten Kunden waren Ärzte, Kliniken und Physiotherapeuten, die ein präzises Belastungsgerät für das Belastungs-EKG benötigten. Mit der Zeit entwickelten Resch und sein Team weitere Gerätetypen: Stepper, Oberkörperergometer und schließlich Kraftgeräte. Das breite Portfolio innovativer Geräte eröffnete später den Weg in die Fitness- und dann wieder zurück in die Gesundheitsbranche.

Messeauftritt mit Michael (l.) und Hans Resch.
Cockpit ERGOFIT 770, um 1988.
Pulsmessgerät 1970er-Jahre.

McFit und der Fitness-Boom der 1990er und 2000er

Einen enormen Schub brachte Ende der 90er der Kontakt zur damals noch jungen Fitnesskette McFit. „Wir haben vier Geräte zur Probe reingestellt – und nach einem halben Jahr sind die vollständig zu uns gewechselt, weil unsere Geräte einfach viel robuster waren als die der Konkurrenz“, erinnert sich Michael Resch. Von 1998 bis 2013 war ERGOFIT der exklusive Cardio-Lieferant für McFit, mit Ausnahme der Rudergeräte. „Dann haben wir festgestellt, dass es sowohl im medizinisch-physiotherapeutischen als auch im Fitnessbereich unabdingbar ist, alles aus einer Hand liefern – also nicht nur Cardio-, sondern auch die Kraftgeräte zu bauen“, erinnert sich Resch. In den kommenden Jahren erweiterte er strategisch das Produktportfolio um neue Cardiogeräte sowie jetzt auch um Kraftgeräte, Trainingssoftware und Serien, die zum Verkaufsschlager wurden – robust, langlebig und damit ideal für Fitness-Studios, die den Geräten Tag und Nacht volle Leistung abverlangten.

ERGOFIT erobert die Fitnessbranche.

Michael Resch mit dem neuen Betriebsleiter Roman Didier und Produktionsleiter Fritz Hollerith (v. l.). Foto: Marion Trutter

Insolvenz und Neubeginn in der PHYSIOMED GROUP

Das Jahr 2022 stellte ERGOFIT vor große Herausforderungen: Michael Resch zog sich aus Altersgründen aus dem Unternehmen zurück. Es folgte ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung – ein Einschnitt, der dennoch vergleichsweise moderat verlief. Denn trotz aller Entwicklungen blieb eines konstant: die starke Bindung an den Standort Pirmasens. „Wir hatten immer eine geringe Fluktuation und viele Mitarbeiter sind seit Jahrzehnten im Betrieb“, so Resch. Dieser Stamm blieb auch in der Insolvenzphase bemerkenswert stabil – mit geringen Abgängen von nur 10 bis 15 Prozent.

Starke Marke, treue Belegschaft

Heute lebt ERGOFIT als starke Marke innerhalb der PHYSIOMED GROUP weiter. Ein großer Teil der Mitarbeitenden ist noch an Bord, drei erfahrene Vertriebler wurden übernommen, und die Marke wird weiterhin eine wichtige Säule des Unternehmens bleiben. Michael Resch hat zwar im Unternehmen keine Befugnisse mehr, aber immer noch ein Büro im Werk im Pirmasens. „Wenn ich heute durch die Hallen gehe und jemand sagt ‚Hallo Chef‘, dann freut mich das“, sagt er sichtlich bewegt. „Die Verbundenheit unter den Mitarbeitern war immer eine wichtige Säule unseres Erfolgs. Ich wünsche mir sehr, dass es so weitergeht – mit den Menschen, die diese Firma geprägt haben.“

Fotos (wenn nicht anders angegeben): ERGOFIT

Veröffentlicht am xx.01.2026